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  • karinrogalska

Schlaffis und Schlaraffen (31. Dezember 2023)


Zum Jahreswechsel 2023/2024 allen nur das Allerbeste. Auf persönlicher Ebene möchte ich von ganzem Herzen denen danken, die mir dieses Jahr auf ganz wunderbare Weise unvergesslich werden ließen.


Die Publizistin in mir könnte hingegen voller Sorge, gar Ingrimm aus dem Jahr scheiden, sollte man meinen. Denn allüberall dominieren Krieg, Gewalt und Krisenmodus.


Nicht weniger als 22 bewaffnete Konflikte werden derzeit rund um den Erdball ausgetragen, die meisten davon schon so lange, dass sie dem kollektiven Weltgedächtnis verloren gegangen sind.


Daran knüpft sich die Frage: Was ist beschämender, ja schauerlicher? Dass vielerorts Menschen nicht friedlich miteinander können oder dass Gewalt, insofern sie zum Dauerzustand mutiert, gewissermaßen als bezeichnend, ja selbstverständlich für bestimmte Flecken auf unserer geistigen Weltkarte wahrgenommen wird? Schließlich mündet das in der Regel in Gleichgültigkeit.


In diesem Jahr schien mir die Gleichgültigkeit gegenüber den tatsächlichen Katastrophen in der Welt in unseren Breitengraden sehr eigenwillig ausgeprägt. Dabei denke ich nicht an diejenigen, denen Inflation und insbesondere hohe Energiekosten zu schaffen machten und die tatsächlich oft nur mit Mühe Lebensnotwendiges bewältigten.


Sie gaben und geben nämlich allen Widrigkeiten zum Trotz nicht auf. Und sie klagen nicht, zumindest nicht mit laut erhobener Stimme, sei es, weil ihnen die Kraft fehlt, sei es, weil sie kein Forum haben.


Vielmehr habe ich diejenigen vor Augen, die Kraft wie Forum haben, aber offenbar nichts damit anzufangen wissen. Dem Land gehe es schlecht, seine Verwalter*innen steuerten es in den Abgrund, der einzig richtige Weg führe nur hinaus, ist allerorten zu vernehmen. Angeschlagen werden diese Töne von ..., ja, von wem eigentlich? Von konstruktiven Kritiker*innen jedenfalls offensichtlich nicht.


Wenn heutige Oppositionspolitiker*innen im Bundestag gegen "die Ampel" wettern, vergessen sie nur zu gerne, dass zumindest ein Teil von ihnen über knapp zwei Jahrzehnte selbst den Stillstand gebilligt hat, an dem Deutschland heute krankt.


Und wenn wiederum Unternehmer*innen mit Abwanderung drohen, weil es woanders wie nun auch immer moderner sei, machen sie indirekt deutlich, wie wenig sie tatsächlich an Lösungen für das eigene Land interessiert sind. Umfragen zufolge hielt ein Großteil von ihnen noch vor gar nicht allzu langer Zeit etwa Digitalisierung für nicht mehr als ein Mittel zu Effizienzsteigerung und Kostensenkungen, ging also selbst nicht mit der Zeit.


Diese technokratische Sichtweise rächt sich nun bitter. Sich da woanders ins längst gemachte Bett legen zu wollen, ist nichts anderes als Anwendung des Sankt-Florian-Prinzips unter den Prämissen des 21. Jahrhunderts.


Dies gilt umso mehr, als Deutschland allen Unkenrufer*innen zum Trotz immer noch so viele Möglichkeiten wie kaum ein anderes Land dieser Welt bietet. Das Land mag eine Krise durchlaufen, es liegt aber genau nicht in Trümmern danieder. Die Gelegenheiten gilt es aber beim Schopf zu packen.


Oder besser: Die Potenziale gilt es auch entdecken und praktisch ausschöpfen zu wollen. Ob all die Schlaffis und Schlaraffen, die gerade das Land schlecht reden (und sich damit eigentlich nur oft genug aus einer Verantwortung reden wollen, die sie selbst nicht wahrnahmen, als sie es hätten tun können), dazu imstande oder auch nur willens sind, ist mehr als fraglich.


Vielleicht wäre es da wirklich das Beste, sie machten sich endlich aus dem Staube. Wobei: Wer Veränderungen scheut, bleibt ja in der Regel genau dort, wo er ist.


Insofern wünsche ich allen Jammerer*innen, dass sie zumindest ihre Worte im kommenden Jahr mit mehr Bedacht wählen mögen. Allen anderen wünsche ich mutiges Anpacken. Das und nichts anderes haben wir uns nämlich für 2024 verdient.


Und damit allen: Prosit Neujahr!







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